Cybergrooming und Cybermobbing

HG/ Oktober 5, 2021/ Beratungsstelle, Medienabhaengigkeit, Medienkonsum, Mediensucht

Cybergrooming und Cybermobbing

Cybermobbing

Cybergrooming

Grooming (Engl.) meint auf Deutsch sinngemäß anbahnen oder vorbereiten. Die Vorsilbe Cyber legt den Raum in dem das Grooming stattfindet (zunächst) auf die verschiedenen sozialen Räume des Internets fest. Es handelt sich beim Cybergrooming um Handlungen von Erwachsenen Personen gegenüber Kindern und Jugendlichen, die auf virtuelle und/oder reale sexuelle Handlungen abzielen.

Die Strategien der Täter*innen nehmen dabei meist einen ähnlichen Verlauf. Täter*innen geben sich entweder als gleichaltrige Jugendliche aus, indem sie mit Fakeprofilen über gängige Kanäle der sozialen Interaktion im Internet Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufnehmen oder präsentieren sich als ältere, verständnisvolle Person, bei denen die Kinder und Jugendlichen (mutmaßlich) die Chance bekommen, Erwachsenen zu begegnen, die sie verstehen und denen sie alles mitteilen können. Meist wird relativ schnell versucht, eine Freundschaft aufzubauen, in der das Vertrauensverhältnis zum Dreh- und Angelpunkt wird. So ist es den Täter*innen später möglich mehr Kontrolle über die Opfer ausüben zu können. Es kann aber auch dazu kommen, dass den Kindern und Jugendlichen Geschenke versprochen und/oder gemacht werden oder ihnen besondere Dinge in Aussicht gestellt werden, wie zum Beispiel eine Karriere als Model oder Influencer*in. Im nächsten Schritt versuchen die Täter*innen, meist durch beiläufige Fragen, mehr über die Identität der Kinder oder Jugendlichen zu erfahren (Schule, Wohnort, Telefonnummer…). Haben die Täter*innen das Gefühl nun einen Schritt weiter gehen zu können wird der Übergriff in der virtuellen oder auch realen Welt vorbereitet.

Cybergrooming kann überall da stattfinden, wo auch Kommunikation im Internet stattfindet. Häufig versuchen die Täter*innen schnell auf private Messengerdienste umzusteigen, um anonym agieren zu können. Dabei machen es sich die Täter*innen zu Nutze, dass ihre Opfer sich meist im Schutzraum ihres eigenen zu Hauses befinden und zunächst erstmal nichts Böses vermuten. Schließlich kann es ja auch sehr spannend sein, eine neue Person kennenzulernen oder es tut einfach gut, wenn jemand Fremden das eigene Profilbild gefällt oder man dieselben Hobbies hat. Durch den Zugang zu den Profilen der Kinder und Jugendlichen gibt es die ersten Anknüpfungspunkte. Die Bilder und Profile verraten meist mehr als gewollt: ein Hobby, die Lieblingsband oder gar die Hausnummer auf einem „harmlosen“ Bild im Garten vor dem Haus?

Relativ früh werden Themen auf sexueller Ebene angesprochen. Der Einstieg in diese Themen findet häufig zunächst auf einer romantischen Ebene statt und intensiviert sich mit der Zeit. Je mehr die Kinder und Jugendlichen dem oder der Täterinnen vertrauen, desto mehr werden diese auch von sich preisgeben.

Nach und nach nehmen die Täter*innen im Leben der Opfer eine zunhemend unverzichtbarere Rolle als Freund*in und engste*n Vertraute*n ein. Dabei werden die Kinder und Jugendlichen nicht selten so weit manipuliert, dass sie das Gefühl haben, nur noch dieser einen Person vertrauen zu können. Entwickelt sich das Ganze nun in eine Offline-Richtung, haben die Täter*innen nun die Sicherheit, dass die Opfer davon wahrscheinlich nichts zu Hause berichten werden, da sie im Vorhinein die Beziehung bereits verschwiegen haben, es ihnen unangenehm ist oder sie davon ausgehen, dass ihre Erziehungsberechtigten es sowieso nicht erlauben würden. Vorher versendete Bilder, Videos oder Geheimnisse der Kinder können von den Täter*innen als Druckmittel eingesetzt werden.

An dieser Stelle sei gesagt, dass alle Handlungen, die der Vorbereitung zu (sexuellem) Kindesmissbrauch dienen, auch die im Internet, strafbar sind.

Cybermobbing:             

Cybermobbing bzw. Cyberbullying meint das absichtliche Beleidigen, Demütigen, Belästigen, Verfolgen, Bedrohen oder Bloßstellen von anderen Personen in allen sozialen Räumen des Internets, das über einen längeren Zeitraum hinweg erfolgt. Cybermobbing kann als Akt psychischer Gewalt beschrieben werden. Daraus resultierende Folgen für die Opfer können Angstzustände, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Isolation u.a. und im schlimmsten Fall auch Suizid sein.

Nicht selten überschneiden sich Offline- und Online-Handlungen. Im Bereich der Schule zum Beispiel im Unterricht, der Pause sowie auf dem Schulweg und danach auf diversen sozialen Plattformen, wie beispielsweise dem Klassenchat.

Cybermobbing kann aber auch von fremden Personen begangen werden – so oder so machen sich die Täter*innen die Anonymität des Internets zu nutze. Inhalte und Informationen können in kürzester Zeit an viele Personen gesendet werden. Und ebenso verhelfen Netzwerke dazu, sehr viele Menschen zu verschiedenen Mobbing-Aktionen „einzuladen“. Die „Unsichtbarkeit“ wird durch viele der Beteiligten des Mobbings genutzt, die im realen Leben solche Handlungen nicht vollziehen würden. Darüber hinaus ist es schwieriger die Betroffenheit der Opfer unmittelbar wahrzunehmen, was die Empathie mit den Opfern erschwert. Cybermobbing kennt weder zeitliche noch räumliche Grenzen. Die Opfer können dieser Gewalt rund um die Uhr ausgesetzt sein und sich oftmals schwer dagegen wehren, was zu einem großen Machtungleichgewicht zwischen Täter*innen und Opfern führt.

Auch (Cyber-) Mobbing kann strafrechtliche Konsequenzen haben.

Was können Eltern und pädagogische Fachkräfte dagegen tun?

Vor allem Kinder und Jugendliche unterschätzen oft die Konsequenzen ihres eigenen Handelns. Die virtuelle Welt hat jedoch konkrete Auswirkungen auf das reale Leben. 

Kinder und Jugendliche sollten von Anfang an begleitet werden, wenn es um den Konsum von digitalen Medien geht. Erziehungsberechtigte und pädagogische Fachkräfte müssen darauf hinweisen, dass alles, was einmal im Netz landet dieses fast unmöglich wieder verlässt. Es ist wichtig, Kindern und Jugendlichen zu zeigen, wie sie ihre Profile so datensicher wie möglich einstellen können. Statt sich mit dem echten Namen anzumelden, sollten Pseudonyme benutzt werden. Persönliche Angaben wie beispielsweise der Wohnort oder die Telefonnummer gehören nicht in Profile im Internet und ebenso können Bilder und Videos sehr viel mehr preisgeben, was auf den ersten Blick gar nicht vermutet wird. Je mehr Informationen Kinder und Jugendliche im Internet über sich veröffentlichen, desto mehr Angriffsfläche bieten sie potentiellen Täter*innen. Die Chatfunktionen können so weit eingeschränkt werden, dass nur Personen, die bekannt sind, bzw. sich in der Freundesliste der Kinder und Jugendlichen befinden, diesen auch schreiben können. Persönliche Daten wie Telefonnummer, Adresse, Wohnort etc. sollten nie mit fremden Personen ausgetauscht werden. Bei Kontaktaufnahme gilt es die Webcam auszuschalten, um zu vermeiden, private Informationen preiszugeben oder Aufnahmen in Form von Screenshots gemacht werde. Im besten Fall ist die Webcam abgeklebt oder durch einen Schieberegler zugedeckt, da es nicht allzu schwer ist, sich in eine solche Webcam zu hacken, wenn man das möchte.

Unangebrachte Kommentare, Beleidigungen, Nachrichten, die Kindern und Jugendlichen unangenehm können zu jeder Zeit den Plattformbetreibern gemeldet werden. Es empfiehlt sich, trotzdem Screenshots davon zu machen, falls das Ganze einmal bei der Polizei landet. Klären Sie vorab, wie die Daten die Polizei erreichen sollen: Bilder die potentiell sexuell gelesen werden können und weitergeleitet werden, können schlimmstenfalls in einem Verfahren auch den Erziehungsberechtigten zum Verhängnis werden.

Täter*innen können in sozialen Netzwerken blockiert, Inhalte gelöscht werden. Ansprechpartner*innen befinden sich im Impressum der jeweiligen Seiten. Generell ist es wichtig, mit den Kindern zu sprechen, an wen sie sich wenden können, wenn sie Redebedarf haben. Manchmal ist die Scham oder Angst so groß, dass es hilfreich sein kann auf Personen zurückzugreifen, die nicht die Erziehungsberechtigten sind, wie etwa ältere Geschwister, erwachsene Freunde, Tanten, Onkel, Vertrauenslehrer oder Hilfsangebote und Beratungsstellen (diese finden Sie am Ende des Artikels aufgelistet).

CyberMobber*innen sollten blockiert werden, sodass sie die Profile nicht mehr kontaktieren können. Beleidigungen und Co. werden bestenfalls ignoriert und nicht beantwortet, Diskussionen sollten vermieden werden, um so weniger Möglichkeiten zu bieten, sich angreifbar zu machen. Auch kann nach sogenannten „By-Standern“ gesucht werden, die den Kindern und Jugendlichen innerhalb des Mobbings beistehen können, wie Klassenkameraden und Freunde. Wenn diese sich beispielsweise im Klassenchat auf die Seite der Opfer stellen oder die Täter*innen ignorieren, ist schon viel getan. Viele Täter*innen agieren aus dem Drang heraus, Aufmerksamkeit zu bekommen oder aus bloßer Lust nach Spaß. Wird das jedoch nicht erwidert, flaut das Mobbing bestenfalls nach und nach wieder ab. In schlimmen Fällen empfiehlt es sich, die Polizei zu verständigen, welche durch IP-Adressen zurückverfolgen kann, wer für das Mobbing belangt werden kann.

Was das Cybergrooming betrifft gibt es ebenso Möglichkeiten dagegen vorzugehen. Mithilfe von Rückwärtssuchmaschinen können Kinder andere Profilbilder auf deren Herkunft untersuchen und so vorab Fremde entlarven, die sich ein Fake-Profil erstellt haben.

Kinder und Jugendliche sollten stets misstrauisch sein, wenn Fremde mit ihnen Kontakt über das Netz aufnehmen. Kinder und Jugendliche sollten wissen, dass Treffen oder Dates mit Fremden nie allein erfolgen sollten und wenn dann nur an öffentlichen Orten. Es gibt die Möglichkeit auf verschiedenen Messenger-Diensten den eigenen Live-Standort an andere zu versenden. Auch beim Cybergrooming gilt: eine Strafanzeige bei der Polizei kann helfen, Täter*innen dingfest zu machen und somit auch andere Kinder und Jugendliche vor diesen zu schützen.

Vermeiden Sie es in jedem Fall, den betroffenen Kindern die Schuld an ihrer Situation zu geben. Gehen Sie beim Erfragen von Informationen behutsam vor und geben sie ihren Kindern genügend Zeit und Raum, Erlebtes zu besprechen. Darüber hinaus sollten Sie mit Ihren Kindern das Thema Mobbing auch zu Hause besprechen. Es ist ja nie klar, auf welcher Seite sich Kinder oder Jugendliche positionieren, wenn es einmal dazu kommt.

Beitrag von Zeynep Özmert

Hilfsangebot

Weitere Informationen, Beratung und Hilfsangebote:

Save me online (für Jugendliche): www.save-me-online.de
Juuuport (für Jugendliche): www.juuuport.de
Erste Hilfe bei Mobbing (App von klicksafe)
Make it safe (für Jugendliche): www.make-it-safe.net
Jugend Support (für Jugendliche): www.jugend.support
Bündnis gegen Cybermobbing: www.buendnis-gegen-cybermobbing.de
Hilfetelefon Sexueller Missbrauch (bundesweit, kostenfrei und anonym): 0800 22 55 530

Quellen :

https://www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/cyber-mobbing/cyber-mobbing-was-ist-das/
https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/kinder-und-jugend/medienkompetenz/was-ist-cybermobbing–86484
https://www.bmbwf.gv.at/Themen/schule/zrp/dibi/inipro/cybermobbing.html
https://beauftragter-missbrauch.de/praevention/sexuelle-gewalt-mittels-digitaler-medien/cybergrooming
https://www.schau-hin.info/cybergrooming

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