Tinnitus – multikausales Symptom und dessen Einordnung in die 5-Elemente-Lehre der traditionellen chinesischen Medizin (TCM)

Diana Vrbic/ Februar 16, 2021/ Achtsamkeit, Burnout, Gesundheit, HNO, Kinder, Schwindel, Schwindelmedizin, Sinne, SinnesWandel, TCM, Tinnitus

Tinnitus - ein multikausales Symptom

Aufgrund der vielfältigen Ursachen von Tinnitus ist die Diagnostik aufwendig und die Behandlung in der Praxis  mit einem integrativen Konzept ebenso schwierig wie notwendig, wenn sich Erfolge einstellen sollen. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Therapeuten ist das Gebot der Stunde, nachdem das neurophysiologische Modell der reinen Phantomwahrnehmung durch neuere Forschungsergebnisse der somatosensorischen Verursachung und  Interaktion auf akute wie chronische Ohrgeräusche ergänzt wurde.

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Tinnitus und seine Einordnung in die 5-Elemente-Lehre
der traditionellen chinesischen Medizin (TCM)

 

So lassen sich fünf pathophysiologische Ursachenkomplexe bei der Entstehung von Tinnitus definieren:

  1. Somato-sensorischer Ursachenkomplex – Tinnitus Typ 1
  2. Cochleär-sensorischer Funktionsverlust im Corti-Organ – Tinnitus Typ 2
  3. Zentral-funktioneller Ursachenkomplex – Tinnitus Typ 3
  4. Toxischer Ursachenkomplex – Tinnitus Typ 4
  5. Endolymphatischer Ursachenkomplex – Tinnitus Typ 5

Zu 1. ) Element  Holz:    somatosensorisch  :  Tinnitus Typ 1:

  • einseitig, Beginn meist klar erinnerlich
  • kein auslösendes Trauma oder Explosion
  • Keine eindeutige Hörminderung auf dem betreffenden Ohr
  • Tinnitus nimmt bei Anspannung zu
  • eigentlich immer wahrnehmbar
  • ändert sich bei Kopf- oder Kieferbewegungen
  • hoher Ton, Zirpen oder Brummen

Zu 2.) Element Wasser:   cochleär – sensorisch  :  Tinnitus Typ 2

  • meist mit ein- oder beidseitiger Hörminderung
  • Z.n. Hörsturz oder bei Innenohrschwerhörigkeit
  • meist hoher Ton gleichbleibender Intensität
  • verändert sich nicht bei Anspannung oder körperl. Bewegung
  • ein Hörgerät kann Besserung bringen

Zu 3.) Element Feuer:   zentral – sensorisch  :   Tinnitus Typ 3

  • Beginn meist unklar, schleichender Beginn
  • hochfrequentes Pfeifen, wie TV-Testbild
  • nicht direkt im Ohr, sonder eher „im Kopf“ lokalisierbar 
  • seelische Krisen können ( zeitweise) verstärkend wirken
  • Bewegungen ändern den Tinnitus nicht
  • eine Hörminderung im Hochtonbereich ist bekannt

Zu 4.) Element  Metall:  toxischkumulativ :  Tinnitus Typ 4

  • Ähnlichkeit mit Typ 3 
  • steht oft im Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten 
  • Einwirkung von Toxinen oder Schwermetallen (aus dem Körper / Zähnen / Zahnfüllungen oder der Umwelt /Nahrung)
  • kann meistens durch entsprechende Labordiagnostik (Speichel/Urin/Haare) nachgewiesen werden

Die Einteilung in dieses Metasystem macht es einfacher, eine typgerechte Therapie zu empfehlen bzw. in die Wege zu leiten:

 

Typ 1 – Element Holz / Einflüsse des Bewegungsapparates: 

  • hoher Zustrom von Nervenimpulsen aus
    • Kiefergelenk und Kaumuskulatur
    • Kopf – Wirbelsäulengelenken ( v.a. Atlas ! ) 
    • BWS – / Schultergelenken
    • Cranio-Sacrales System
  • via Hirnstamm bewirkt eine Beeinflussung der Hörbahn / Ganglien

 

 

Deshalb kommen folgende Therapieverfahren idealerweise zur Anwendung:

  1. Physiotherapie // Osteopathie
  2. Craniosakrale Therapie // Progressive Muskelentspannung
  3. Akupunkturverfahren // Narbenentstörung
  4. Zahnstellungskorrekturen / Schienenversorgung

Typ 2 – Element  Wasser / Mittelohr / Innenohr / Cochlea:

Ursachen sind :

  • Störungen der Haarsinneszellen z.B. durch Überlastung
  • Veränderungen an Hörnerv und Schaltstellen z.B. durch Energiemangel
  • Medikamenten-Einwirkungen z B. auf die Mitochondrien
  • Veränderung an den Gehörknöchelchen durch Entzündungen / Versteifung
  • Membran-Instabilität u/o Energiedefizit bewirken verschlechterte Leistung
  • Methoden der Ernährungsoptimierung
  • ggf. gezielte Maßnahmen der Supplementierung
  • Unterstützung der Reparaturmechanismen
  • Technischer Ausgleich von Defiziten ( Hörgeräte )

Ziel: Wiederherstellen der körperlichen Integrität
und Wiederherstellung bzw. Stützung der Energie-Resourcen durch:

  • Arzneimittel / Phytotherapie / Adaptogene
  • Körpertherapien
  • Akupunktur
  • Seelische Stützung / Klang-/Musiktherapie
  • Neurotransmitter-Therapie

Jede Tinnitusform weist ein charakteristisches / verändertes Muster an Nervenbotenstoffen ( Neurotransmittern ) im Gehirn auf –   verantwortlich für

  • Ruhe / Gelassenheit  < > Unruhe / Nervosität
  • Wachheit / Aufmerksamkeit  < > Müdigkeit / Unaufmerksamkeit
  • Merkfähigkeit / Fokussierung  < > Vergesslichkeit / Ablenkbarkeit
  • Glücksgefühl / Freude  < >  Traurigkeit  / Depression
Qi Gong Übung

Typ 3 – Element Feuer / ZNS

  • Beginn meist unklar, schleichender Beginn
  • hochfrequentes Pfeifen, wie TV-Testbild
  • nicht direkt im Ohr, sonder eher „im Kopf“ lokalisierbar 
  • seelische Krisen können ( zeitweise) verstärkend wirken
  • Bewegungen ändern den Tinnitus nicht
  • eine Hörminderung im Hochtonbereich ist bekannt

Ursachen sind: Geistig-seelische Vorgänge, Alterung der Nervenzellen und der Synapsen sowie verlangsamte Stoffwechselvorgänge sowie eine Veränderung der Hörwahrnehmung im Gehirn

Therapieoptionen sind:

  • Methoden der Tinnitus-Defokussierung  
  • Auflösen unterbewusster Konflikte
  • Methoden der Stress-Bewältigung
  • Behandlung posttraumatischer Störungsfolgen
  • Technische Lösungen (TRT / Hörgerät / bimodale Stimulation )

Typ 4 – Element Metall / toxische Einwirkung

Therapieoptionen sind:

  • Tinnitus wird oft besser nach Absetzen der vermuteten Medikamente 
  • bessert sich nach naturheilkundlichen Ausleitungsverfahren oder nach Gabe von Chelatbildnern
  • moderate körperliche Bewegung  und Unterstützung der Darmfunktionen z.B. durch Faserstoffe bzw. durch Schwermetall-bindende Algenpräparate
  • Optimierung des Mikrobioms 

Typ 5  Element Erde / Endolymphsystem

Vermutete Ursachen sind:

  • eine „Entzündung“ des endolymphatischen Systems ruft einen chronischen Reizzustand der Hörsinneszellen u/o des Gleichgewichtssystems hervor
  • Immunologische Störung / Allergie ?
  • Undichtigkeiten an den „tight junctions“ ?
  • Ungleichgewicht in Produktion // Resorption der Endolymphe ?

Therapieoptionen sind:

  • Cortison ?  Betahistin ?  Antioxidantien  ?
  • Unterstützung der Membranpumpen / Mitochondrien ?

Antioxidantien :

Jeder Entzündungsvorgang im Körper verursacht die Bildung freier Radikale, die eine gewebeschädigende Wirkung haben. Ziel der antientzündlichen Behandlung mit Mikronährstoffen ist daher die Neutralisierung der freien Radikale durch Antioxidantien:
– eine weitere schleichende Schädigung und Zerstörung von Strukturen im
Innenohr und Endolymphraum kann verhindert werden.
– das allmähliche Nachlassen der Hörfähigkeit und der exakten
Gleichgewichtsfunktion kann verzögert oder aufgehalten werden
– Gut verträgliche Pflanzenstoffe, keine unerwünschten Nebenwirkungen

Fazit: aus der Einteilung der verschiedenen Tinnitusformen in das 5-Elemente-
Schema ergeben sich Vorteile, die sich in einem besseren Outcome für die Patienten äußern und zudem Ressourcen-schonender für die beteiligten Therapeuten sind.

Autor: Dr. Manfred Knöll, München Feb. 2021

Dr. Knöll ist Facharzt für HNO-Heilkunde an der HNO-Klinik Dr. Gaertner. Weitere Informationen erhalten Sie auf www.gaertnerklinik.de

Dr. med. Manfred Knöll

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